FG Fioretti

Fachgebiet für Entwerfen und Baukonstruktion an der TU Berlin

SS 14 – Dorf macht Oper

In Zusammenarbeit mit dem Kulturprojekt “Dorf macht Oper” des Vereins FestLand e.V. plante unser Fachgebiet im Sommersemester 2014 ein 1:1 Entwurfsprojekt.Seit 2007 erarbeitet der Verein FestLand e.V. jedes Jahr in einem umgebautem Schweinestall im Prignitzer 70-Seelen-Dorf Klein Leppin eine Oper. Unter der organisatorischen und musikalischen Leitung von Christina und Steffen Tast, der Regievon Mira Ebert wird mit einer Gruppe von Laien und professionellen Musikern alljährlich eine neue Inszenierung vorbereitet, geprobt und zur Aufführung gebracht. Der Klein Leppiner Opernchor und einige Solisten kommen aus Klein Leppin undaus den umliegenden Dörfern; die Regisseurin, das Orchester, der überwiegende Teil der Gesangssolisten, Bühnen und Kostümbildner kommen von außerhalb. In diesem Jahr hat die Barockoper „Dido und Aeneas“ von Purcell an einemWochenende ca.1000 Besucher nach Klein Leppin gezogen.

Für die diesjährige Inszenierung haben sich die Mitglieder des Vereins auf der Wiese vor dem Opernhaus einen Opernpark gewünscht, der in kleinen Gebäuden die Veranstaltung begleitende Aktivitäten unterbringen könnte. Mit dieser großen Ideeentstand der Kontakt zu unserem Lehrstuhl. Im Kontext der Barockoper sollte hinterfragt werden, ob man mit zeitgenössischen temporären Bauten die Idee einerbarocken Parkanlage in einem brandenburgischen Dorf wiederbeleben kann. Die Kleinarchitekturen sollten wie in historischen Vorbildern als Ruheplatz, Aussichtspunkt, gestalterisches Element und der musikalischen Inszenierung dienen.Die entstandenen Pavillons sind von Architekturstudierenden im zweiten Semester unseres Fachgebiets geplant und gebaut worden.  Hierfür trat der Verein als Bauherr auf und formulierte in mehreren Treffen mit dem Fachgebiet seine Wünsche und Vorstellungen. Es entstanden die Bauaufgaben: Kinderwerkstatt, Ein-Buch-Bibliothek, Flaschenspiel, Kasse, Grillpalast und Tonhalle.

Am Anfang des Semesters haben die Studierenden mit ihren Projektvorschlägen an einem Wettbewerb teilgenommen; nach der Auswahl der sechs besten Entwürfe erstellten sie in der zweiten Phase des Semesters Ausführungs-, Kosten- und Zeitpläne, suchten Sponsoren, recherchierten Materialien, experimentierten mit Baumethoden, organisierten die Baustelle und den Materialtransport und errichteten die Pavillons in Eigenleistung. Jedem Pavillon standen 500 € Grundkapital derStoStiftung Sommerschule zu Verfügung, darüber hinaus wurden von den Studenten Sponsoren gesucht. Sechs Wochen vom Konzept bis zur Realisierung ergaben einen sehr engen Zeitplan.

Ziel des Semesters war es, den Studierenden die Komplexität des Entwerfens, Bauens und die Grundzüge des Planungsprozesses zu vermitteln. Der Einsatz ungewöhnlicher Materialien ohne tradierte Baumethoden forderte die kreativeAuseinandersetzung mit dem Kern des architektonischen Denkens. Das Ausarbeiten eines Projektes von der Entstehung desKonzepts bis zur Realisierung konfrontierte die Studenten mit Zentralfragen des Bauvorgangs. Durch die Realisierung in Klein Leppin wurden die Kommunikation mit den Nutzern und Dorfbewohnern und innerhalb derBauteams als wesentliches Werkzeug des Bauprozesses erkennbar.Das konsequente Durchleben des Prozesses forderte handwerkliche und planerische Fähigkeiten und bot den Studentinnenund Studenten die Gelegenheit das Entwerfen und das Bauen als baukonstruktive Forschung zu begreifen.

 

Bauherr: FestLand e.V.

Hauptsponsor: Sto Stiftung

Wasserspiel

Wasser ist ein zentrales Element der Oper Dido und Aeneas, die in diesem Jahr bei Dorf macht Oper aufgeführt wird. Entwerfen sie ein Gerüst für ein Flaschenxylophon, das von den Dorfbewohnern bestückt werden soll. Überlegen Sie sich, wie die Aufhängung der Flaschen funktionieren soll. Es soll eine große Anzahl von Flaschen aufgehängt werden können (ca. 100-200 Stück). Die genaue Anzahl ist abhängig von dem Entwurf.

An die spätere Anordnung der Flaschen bestehen keine fest definierten Anforderungen.

Kinderwerkraum

Für 15-20 Kinder werden Bastelworkshops abgehalten. Es sollen Boote, Papierschiffe und kleine Klanginstrumente gebaut werden. Entwerfen Sie einen Ort, in dem die Kinder basteln und ihre Werke ausstellen können. Bastelmaterialien und Werkzeuge müssen verstaut werden können.

Für die Zeit in der keine Workshops abgehalten werden, soll die Struktur die Festivalbesucher zum Verweilen einladen. Die Sitzgelegenheiten sollen so modular aufgebaut sein, dass einzelne Module im Park als zusätzliche Verweilorte platziert werden können.

Tonhalle

In der zu definierenden Parklandschaft soll ein Aufführungsort für den 35-köpfigen Chor errichtet werden. Zusätzlich sollen vier bis fünf Musiker unterkommen können. Die Instrumente der Musiker müssen vor Wasser geschützt werden, also muss zumindest ein Teil der Struktur regensicher sein. Bis maximal 50 Personen sollen sich die Aufführung ansehen können. Beachten Sie die akustischen Anforderungen der Aufführungssituation.

Ein-Buch-Bibliothek

Kinder des Ortes werden im Vorfeld der Oper ein großes Aufklapp-Bilderbuch gebastelt haben. Entwerfen Sie eine kleine Bibliothek, in der das Buch auch im Rahmen einer kleinen Aufführung präsentiert werden kann. Während der Aufführung werden vier bis fünf Kinder mit Hilfe des Buches ein „Papiertheater“ in Szene setzen und zwei bis drei Kinder dazu musizieren. Bis maximal 50 Personen sollen sich die Aufführung ansehen können. Sie können außerhalb des eigentlichen Pavillons Platz finden. Zum Schutz der Instrumente der musizierenden Kinder muss zumindest ein Teil des Pavillons regensicher sein. Der Standort soll sich in der Nähe des FestSpielHauses befinden. Die Struktur soll transportabel und gut lagerbar sein.

Grillpalast

Besucher der Oper wollen kulinarisch versorgt werden. Orte des Essens sind immer auch soziale Treffpunkte. Entwerfen Sie hierfür eine Grillstelle für einen Grill (Abmessungen: 150x65cm , Höhe 95cm) und bis zu sechs Personen, die ihn bedienen. Die Struktur soll offen, aber auch abschliessbar sein. Es soll eine Ablagefläche (in ungefährer Größe des Grills) und einen Wasseranschluss mit Waschbecken geben. Sie soll transportabel und gut zu lagern sein. Der Grillpalast soll in der Nähe des Operncafés und dem dortigen Getränkeausschank stehen.

Kasse

Für die Oper braucht man Eintrittskarten. Entwerfen Sie hierfür eine Ausgabestelle. Diese soll sich in unmittelbarer Nähe des FestSpielHauses befinden und gleichzeitig Informations- und Ausgangspunkt eines Parkrundgangs sein. Die Kasse soll Platz für drei bedienende Personen und einen für die Besucher begehbaren Raum haben . Sie soll transportabel und gut zu lagern sein.

Ü2 Atelier

„Bilden Sie Paare innerhalb der Assistentengruppen. Entwickeln Sie Programm und Raumkonzept für ein Studentenatelier über dem Tiefgarten vor dem nördlichen Ende der Architekturfakultät. Ihr Gebäude soll Architekturstudenten Raum zum Arbeiten bieten und über alle nötigen Nebenräume verfügen. Eine städtebauliche und funktionale Beziehung zum Bestand, insbesondere die Bestimmung eines zu dem Ort verträglichen Volumens, ist Teil des Entwurfes.“